Alle Informationen zu vocal ecotism gibt es hier: http://stimmfeld.de/vocalecotism.html

Hier betreibe ich den Blog, auf dem ich alle schriftlichen Dokumente sammle, die in der Recherche zusammenkommen!

 

for more information about vocal ecotism go to: http://stimmfeld.de/vocalecotism.html

At jimdo I write a blog collecting all the written documents that emerge from the research.


Was weiß die Kunst? What does art know?

English below!

 

Die Kulturstiftung des Bundes

hat vor kurzem die dritte Ausgabe ihres Online-Magazins „fünf-zu-eins“ veröffentlicht.

https://fuenf-zu-eins.de/de

 

Darin stellt sie fünf Leuten aus Kunst und Wissenschaft die Frage:

 

„Was weiß die Kunst, was wir nicht wissen?“

 

Die fünf entstandenen Beiträge stehen für sich und sind sehr wert, rezipiert zu werden. Mich hat besonders angesprochen, dass es in zwei Antworten eine quasi-animistische Betrachtungsweise der KI und Robotik gibt. Einerseits wird die Behauptung formuliert, dass das, was dort entsteht, unsere, also die menschliche Fürsorge benötigt (OMSK social club). Und der Zukunftsforscher S. Inayatullah denkt die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz im Rahmen einer weiter gefassten Entwicklung des „Bewusstseins“, zu dem auch die globalisierte Wahrnehmung der Natur gehört. Da sehe ich eine gewisse Verbindung zur Recherche von

vocal ecotism – Stimmkunst in der versehrten Welt.

In beiden Positionen kommt allerdings die ökologische Versehrung der Welt, die ja durch die KI zurzeit noch weiter angefacht wird, nicht zur Sprache.

 

Welche Antwort auf die Frage nach dem, was die Kunst weiß, wir aber nicht,

lässt sich aus der Perspektive von vocal ecotism formulieren?

Das hängt meines Erachtens zunächst davon ab, wer sich hinter dem „wir“, das im Gegensatz zur Kunst etwas nicht weiß, verbirgt. Wer ist dieses WIR? Wir Normalos, die keine Künstler*innen sind? Wir, das Team der Bundeskunststiftung? Wir, die Gesellschaft? Vor allem verbirgt sich hinter diesem Wir die Frage, welches Verhältnis von Kunst und Gesellschaft hier vorausgesetzt wird. Wie verhält sich die Kunst zu allem, was sich nicht Kunst nennt? Wie auch immer, statt auf diesem Pfad weiterzugehen, schlage ich vor das Wir als die Gruppe der Künstler*innen zu verstehen! Dann lautet die Frage:

 

Was weiß die Kunst, was wir Künstler*innen nicht wissen?

 

So gewendet wird die Frage doch nochmal anders interessant.

 

In den Leitlinien einer Stimmkunst in der versehrten Welt

haben wir ganz oben auf die Liste die Leitlinie des Nichtwissens gesetzt. Wir – in diesem Fall die Gesellschaft - sind gegenwärtig in einer Situation (in der versehrten Welt!), in der uns das Wissen über diese Situation offensichtlich nicht hilft, aus ihr herauszufinden. Es scheint notwendig, sich dem zuzuwenden, was wir nicht wissen. Die Situation ist neu! Noch nie zuvor gab es eine globale ökologische Krise dieser Art und dieses Ausmaßes. Die Dynamik des Artensterbens übertrifft alles, was auf der Erde in den vergangenen 10 Millionen Jahren passiert ist, um ein Vielfaches. Die Klimakrise spitzt sich zu und die Umweltverschmutzung ist bis in die letzten Winkel der Erde vorgerückt und dementsprechend in so gut wie jedem menschlichen Körper nachweisbar. Das wissen wir alles! Doch wir wissen nicht, wie wir mit der dramatischen Lage umgehen sollen. Zwar gibt es Lösungen für einige der Probleme, doch es gelingt von wenigen Ausnahmen abgesehen nicht, sie in die Tat umzusetzen. Im Gegenteil, die weltweite Stimmung wendet sich mehr und mehr von der Sorge um die Erde ab.

 

Weiß die Kunst, was wir nicht wissen?

 

In der vocal ecotism-Recherche sind dazu ein paar Vermutungen aufgekommen:

 

-    Im Anschluss an den Philosophen Max Scheler sehen wir die Kunst als den Ort an, an den sich bestimmte Weisen, die Welt zu verstehen und sich mit ihr ins Verhältnis zu setzen, zurückgezogen haben, nachdem sie vom rationalistischen und kapitalistischen Weltverständnis ins Abseits gedrängt worden sind. Dazu gehören eigentlich alle Formen des Weltverständnisses, die die Welt und alles in ihr als eine mit Bedeutung oder Bedeutsamkeit getränkte Sphäre behandeln. In den Religionen gibt es noch Restbestände dieser Vorstellung, aber nur in der Kunst wird sie heute als dominante Idee ernst genommen. Müssen wir vielleicht dahin zurück (nach vorne)? Verstehen, dass alles singt in der Welt?

 

-    Im Anschluss an den Anthropologen Philippe Descola sehen wir die Notwendigkeit, die moderne und weltzerstörerische Idee, dass es eine strikte Trennung zwischen Natur und Kultur gibt, aufzugeben und zu überwinden. Obwohl die moderne Kunst selbst ein Produkt dieses „Naturalismus“ darstellt, findet man in ihr am Ehesten Ansatzpunkte für ein neues, wieder respektvolles Verhältnis zwischen Welt und Menschen.

 

-    Nur in der Kunst werden die verschiedenen Zugänge zur Welt wie Wissen, Fühlen, Spüren, Imaginieren, Träumen usw. als gleichberechtigt behandelt. Deshalb stellt die Kunst den Weg dar, um zu einem unserer Zeit angemessenen Weltverständnis zu gelangen.

 

Was weiß die Kunst?

 

Sie weiß zumindest etwas über die Vielfalt möglicher Weltzugänge. Einer Vielfalt, die WIR in der Moderne und durch den kapitalistischen Geist zuerst geleugnet und dann verloren haben. Mit Hilfe der Kunst finden wir vielleicht Wege raus aus dieser Krise, die eben auch und vielleicht vor allem eine geistige Krise ist.

 

 

https://stimmfeld.de/vocalecotism.html

 

 

 

 

 

 

 

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